Lacht, bis ihr weint


Manchmal ist es echt schwierig, euch zu verstehen, liebe Menschen. Im Radio trällert ihr mir andauernd zu, wie grossartig euer Leben ist. Gerade gestern hat mir eine Frau aus ihrem «Wonderful life» vorgesungen. Wenn ich euch aber am Montagmorgen um kurz nach halb acht zuschaue, wachsen in mir die Zweifel, ob ihr fühlt, was ihr singt, oder ob ihr vielmehr zu singen versucht, was ihr fühlen möchtet. Ihr rennt auf die Arbeit, in die Schule oder zum Einkaufen. Dabei macht ihr ein Gesicht, wie wenn man euch in Ketten zum Galgen führen würde. Furchtbar! Würdet ihr euch selber sehen, ihr müsstet einen Song wie «Cry, cry, cry» singen.

Menschenskind! Seid doch locker und lacht, auch wenn das Leben mal nicht fröhlich ist. Glaubt ihr, es sei lustig, ein Gartenzwerg zu sein? Zwischen Blumenbeeten zu stehen und mit einer Spritzkannenattrappe in der Hand so zu tun, als würden wir die Tulpen und Hortensien giessen, während sie jämmerlich verdorren? Ohne ein Lächeln im Bart wäre das nicht auszuhalten.

Seht ihr, liebe Menschen, es braucht nicht viel. Ich erzähle von uns Gartenzwergen, schon schmunzelt ihr. Das lässt sich steigern. Es gibt viel zu lachen im Leben. Euch fällt nichts ein? Im Ernst? Dann guckt euch die Ernsthaftigkeit an, mit der viele von euch durch den Tag gehen. Wenn das kein Grund ist, loszulachen. Richtig herzhaft, bis euch die Tränen zu laufen beginnen. Dann werdet ihr feststellen, wie heiter «Cry, cry, cry» auf einmal klingt.

Vergnügliches Versuchen wünscht euer Köbi


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