Von Börsen, Handys und Masken



Das Leben verändert sich. Fortwährend. Was gestern noch selbstverständlich war, ist morgen schon überholt. Ich erinnere mich, wie ich – damals ein junger Gartenzwerg frisch ab Produktion – neu auf dem Kiesplatz vor einem schmucken Fachwerkhaus stand. Ich schaute den Menschen zu, wie sie auf die Strasse traten, die Männer oft mit Hut oder Schirmmütze, die Frauen selten mit Kopftuch und immer mit Handtasche. Wenn sie sich unter der Türe verabschiedeten, fragten sie sich gegenseitig, ob sie das Wichtigste auf sich trugen. «Hast du das Portemonnaie dabei?», war ein Satz, den ich oft zu hören bekam.

Viele Jahre änderte sich nichts daran, ausser dass immer weniger Männer Hut trugen und die Handtaschen der Frauen immer grösser wurden. Dann wurde auf einmal etwas noch wichtiger als die Geldbörse. «Hast du das Handy bei dir?», hiess die Frage plötzlich. Wer für einmal das Portemonnaie vergessen hatte, konnte jederzeit jemanden anrufen und sich auf die Schnelle mit etwas Kleingeld aushelfen lassen. Das Handy ist euch Menschen zwar weiterhin lieb und teuer, aber seit neustem hat etwas anderes noch grössere Bedeutung erlangt. «Hast du eine Maske mitgenommen?», höre ich euch andauernd zueinander sagen. Die Hygienemaske ist eure wichtigste Begleiterin geworden. Ohne sie könnt ihr weder Zug fahren noch einkaufen gehen noch euch die Haare schneiden oder die Fingernägel feilen lassen.


Menschenskind! Wer hätte gedacht, dass ein Stück Vliesstoff für euch einmal so wesentlich wird? Doch was auch immer ihr glaubt bei euch haben zu müssen, schön ist, wenn ihr etwas nicht vergesst, ehe ihr aus dem Haus geht: ein strahlendes, munteres Lächeln. Ihr werdet sehen, es kann nichts Wichtigeres geben!


Viele strahlende Lächeln – trotz Maske – wünscht euer Köbi

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