Tut doch mal nichts



«Schlafen kann ich, wenn ich tot bin.» Es ist mehr als eine Ansage, die Menschen immer wieder machen. Es ist eine Haltung – und eine Demonstration. Diese Menschen sind unermüdlich und tatendurstig. Richtige Bärenkerle. Sie sind fortwährend beschäftigt, und bevor sie einmal nichts zu tun haben, beschäftigen sie sich mit Dingen, die sie tun könnten. Beschäftigt zu sein, gibt ihnen ein gutes Gefühl.


Sie müssen nicht überlegen, was sie machen würden, wenn sie nichts zu tun hätten. Es findet sich immer etwas, das sie tun können. Bei der Arbeit, im Haushalt, mit der Familie, mit dem Hund oder einem Gartenzwerg. Ihr werdet es kaum glauben, aber wir geben auch zu tun. Im Ernst! Ein Gartenzwerg braucht Pflege und Beachtung. Wie sähe das aus, wenn wir mit Staub bedeckt oder von einer Katze angeseicht zwischen Karottenkraut und Radieschen stünden? Also gehören wir regelmässig gewaschen und lackiert oder mindestens gebürstet und poliert.

Zurück zu den unermüdlichen Menschen. Ihr Tag beginnt während der Nacht, und er endet, wenn die Nacht den Tag längst wieder abgelöst hat. Kommt euch das bekannt vor? Menschenskind! Legt mal einen Halt ein und macht einfach nichts. Das soll langweilig sein? Na wunderbar! Es gibt nichts Wohltuenderes, als gähnende Langeweile zu erleben. Nehmt doch uns Gartenzwerge. Warum sehen wir alle so fröhlich und freundlich aus? Weil wir ausser im Lauch stehen nichts zu tun haben und uns darob fürchterlich langweilen. Das ist so erholsam, dass wir automatisch zu strahlen anfangen. Bevor ihr nun versucht, euch zu langweilen, seid doch so lieb und putzt uns noch.


Eine kurzweilige Langeweile wünscht euer Köbi


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