Pfeifen



Gewisse Angewohnheiten von euch Menschen sind nicht besonders nett. Vor kurzem ging ein Paar an dem Garten, in dem ich stehe, vorüber. Der Mann pfiff fröhlich ein Lied vor sich hin. Die Frau, die bei ihm untergehakt hatte, herrschte ihn an: «Hör auf zu pfeifen! Ich werde ganz kribbelig davon.» Der Mann tat, wie ihm geheissen und machte ein Gesicht, als hätte die Frau ihm sexuelle Abstinenz angedroht, sollte er seine Affäre mit der Fröhlichkeit nicht sogleich beenden. Bin ich froh, muss ich als Gartenzwerg nur auf die Gurken und die Melonen acht geben und nicht noch ein Auge auf eine Gartenzwergin werfen.


Pfeifen ist etwas, das ihr Menschen von Herzen gerne tut. Manche Leute bringen damit ihre Frohmut zum Ausdruck, andere versuchen ihre Angst zu verscheuchen. Männer pfeifen schon mal einer Frau hinterher (was spätestens seit «Me too» eigentlich ein «No go» ist), und dann gibt es immer auch Dinge, auf die ihr am liebsten pfeift.


Wenn ich euch zuhöre, frage ich mich jedoch manchmal, ob ihr beim Pfeifen einen Kaugummi im Mund habt. Ich selber habe aufgehört, den Garten mit einem gepfiffenen Liedchen unterhalten zu wollen. Die Würmer und Schnecken würden sonst Reissaus nehmen, die Sonnenblumen die Köpfe hängen lassen.


Menschenskind! Nur weil sie nicht pfeifen können, sind die Leute noch lange keine Pfeifen. Seid ein wenig aufgeschlossen. Es mag zwar nicht gut tönen, dafür tut zu pfeifen euch Menschen gut. Es entspannt und nimmt Druck von der Seele weg. Das ist allemal etwas wert. Und wenn es bisweilen nicht anders geht, als euch die Ohren zuzuhalten, ist das immer noch besser, als lauter griesgrämige Köpfe anschauen zu müssen.


Viele gepfiffene Augenblicke wünscht euer Köbi