Geht jetzt pinkeln



Seltsam, was ihr Menschen alles braucht, um zusammenleben zu können. Ihr verhängt Verbote, erlasst Vorgaben, schafft Gebote und führt Pflichten ein. Das erste untersagt ihr euch, das zweite müsst ihr befolgen, das dritte solltet ihr einhalten, das vierte auferlegt ihr euch. Wie sich das schon anhört. Furchteinflössend! Nach Pech und Schwefel, mit dem ihr euer Leben fortwährend übergiesst. Da verklebt es mir doch glatt die Zipfelmütze.

Die Venusstatue aus Gips, der tönerne Laubfrosch und ich, wir kommen ohne alle Regeln aus. Immer, wenn ich mich nerve, dass die eingebildete Venus oder der aufgeblasene Frosch mehr Blicke von Menschen auf sich ziehen, die an unserem Garten vorbeigehen, dann drehe ich mich einfach ab. Und weg ist der Ärger.

Ich sehe schon, wie ihr milde lächelnd abwinkt. Als Mensch unter seinesgleichen zu sein, ist doch etwas komplexer, als für einen steifen Gartenzwerg neben noch steiferen Dekofiguren zu stehen. Mal ehrlich, liebe Menschen, tief in eurem Inneren wünscht ihr die Verbote, Vorgaben und Co. dorthin, wo die Gipsfigur herkommt. Dennoch wärt ihr ohne sie verloren. Hoffnungslos.


Ihr glaubt mir nicht? Wie war das doch gleich mit den Schutzmasken? Eure Regierung verlangt, dass ihr euch in Zügen, Trams und Bussen maskiert. Um zu verhindern, dass ihr euch mit diesem heimtückischen Virus ansteckt. Der Zwang wurde an einem Montag eingeführt, fünf Tage, nachdem ihn die Regierung verkündet hatte. Was geschah dazwischen? Nichts. Kaum jemand von euch liess sich maskiert in einem Zug blicken. An besagtem Montag aber hatten auf einmal alle eine Maske auf. Menschenskind! Geht ihr auch erst auf die Toilette, wenn die Regierung es erlaubt? Und was macht ihr, wenn sie vergisst, euch zu sagen, dass ihr pinkeln gehen sollt? Eben.

Mehr Selbstbestimmung – nicht nur auf dem WC – wünscht euer Köbi

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