Warum seid ihr gereizt?



Ich bin ein fröhlicher Zeitgenosse. Jeden Morgen stehe ich gut gelaunt auf, richte meine Zipfelmütze gerade, setze mein einnehmendes Schmunzeln auf und stelle mich vor den Geräteschuppen in den Garten. In freudiger Erwartung des Lebens, das sich jenseits des Lattenzauns abspielen wird. Denn die Existenz eines Gartenzwergs wäre zum Gähnen langweilig, könnte er nur dem Gemüse beim Gedeihen zusehen. Der Kopfsalat wächst im Schneckentempo und die Tomaten erröten nicht schneller, wenn ich ihnen schlüpfrige Witze erzähle.

Ausserhalb des Gartens ist von früh bis spät etwas los. Kinder gehen auf dem Weg zur Schule vorüber, Erwachsene machen sich auf zur Arbeit, Rentner sind unterwegs zum Einkauf. Und irgendwann im Verlauf des Tages kehren sie alle wieder zurück. Noch mehr als den Menschen zuschauen zu können, erfüllt es mich, wenn ich sehe, dass sie sich des Lebens erfreuen. Ihr glaubt gar nicht, wie es mich aufstellt, wenn ein Mensch, der vorbeigeht, mir ein freundliches Gesicht zurückschickt. Da geht mein Herz richtig auf und ich fühle mich gartenzwergwohl in meiner Kunststoffhaut.


Doch während mir die kleinen Menschen süss wie frische Zuckerwatte zulächeln und mir, wenn ich sie anblinzle, vergnügt zuwinken, blicke ich bei den grossen oft in ein grimmiges Antlitz. Noch böser wird es, wenn einer der Knirpse selbstvergessen zu mir hinschaut, weiter seines Weges geht und einem Ausgewachsenen vor die Beine gerät. Dann bellt dieser ihn lauthals an, als wäre der Kleine ein Halbstarker, der dem Grossen im Vollsuff über die polierten Lederschuhe gekotzt hätte. Da verzwirbelt es mir doch glatt die Mütze, bis sie aussieht wie ein aufgestängelter Turban. Menschenskind! Warum seid ihr immer gleich gereizt? Atmet tief durch, lächelt eure Umwelt an und ihr werdet merken, wie reizend das Leben doch ist.


Viele reizvolle Erfahrungen wünscht euer Köbi