Staunt Bauklötze



Das hättet ihr sehen sollen, liebe Menschen. Die Augen wurden grösser und grösser. Dabei waren sie noch so klein. Der Mund öffnete sich und das Gesicht wurde von einem riesigen Staunen eingenommen. So stand es da, regungslos, als wäre es aus Wachs und nicht ein echtes, lebendiges Kind, das fasziniert in den Garten blickte. Gut, ich muss zugeben, wenn ich mich sehe, bin ich auch beeindruckt. Wie ich es aushalte, wochenlang neben einer Zeile voller Kohl zu stehen und das Lächeln im Bart zu halten, das frage ich mich manchmal selber. Doch ich weiss, solange ich mit der Sonne um die Wette strahle, findet ihr Menschen Gefallen an mir. Und kleine Kinder sind verzückt von meiner Niedlichkeit. Also bleibe ich frohgemut.

Auf einmal hob das Kind seine Hand, zeigte mit dem Finger auf mich und gab einen vergnüglichen Laut von sich. Ich musste mich beherrschen, um ihm nicht zuzuzwinkern. Natürlich bilde ich mir nicht ein, der einzige zu sein, an dem das Kind Gefallen gefunden hatte. Eigentlich hielt so ziemlich alles um es herum seine Aufmerksamkeit gefangen. Was seinen Vater sichtlich anstrengte. Er verdrehte die Augen und trat ungeduldig von einem Bein auf das andere. Als das Kind nicht mehr von der Stelle weichen wollte, packte er es, setzte es in den Wagen und schob diesen stapfend davon.


Menschenskind! Warum hört ihr auf zu staunen, wenn ihr gross geworden seid? So kann doch aus nichts mehr eine Begeisterung herauswachsen. Deshalb: Seid wieder mal Kind und staunt Bauklötze, umso grössere, je kleiner die Sache ist, die euch verwundert. Ihr werdet sehen, wie nicht nur die Augen, sondern auch euer Herz aufgeht.


Staunendes Ausprobieren wünscht euer Köbi

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