Seid goldig und hört zu


Reden ist Silber, Schweigen ist Gold, hat einmal ein schlauer Mensch gesagt. Im Sport und an Wettkämpfen ist Gold für euch mehr wert, aber wenn es ums Sprechen geht, habt ihr das Silber viel lieber. Ihr redet nämlich fürs Leben gerne, liebe Menschen. Ihr glaubt gar nicht, was ich mir alles anhören muss, während ich im Garten stehe, in der Fortsetzung der aufgereihten Sonnenblumen und als Verlängerung der Serie an Kopfsalaten. Es sind richtige Wortschwalle, die sich über Blumen, Gemüse und mich ergiessen. Nachbarn reden untereinander um die Wette, Väter mit ihren Töchtern, Frauen im Trio oder Quartett sowieso. Es gibt sogar Leute, die ohne Unterlass mit sich selber sprechen. Als wollten sie verhindern, dass sie sich ins eigene Wort fallen können.

Wenn ihr redet, lasst ihr oft etwas Wichtiges links liegen. Wer reden will, muss auch zuhören können. Ohne Zuhören gibt es kein Gespräch. In einem solchen zählt nicht die eigene Meinung, sondern was die anderen davon halten. Wohin es führt, wenn alle nur noch reden und niemand mehr zuhört, seht ihr jeden Tag, etwa in der Politik. Da steht ein Mensch am Rednerpult und spricht. Und die anderen Leute? Sie sitzen teilnahmslos auf den Plätzen, lesen Zeitung oder glotzen in ihren Computer. Und sagen damit, ohne es zu sagen: «Soll er doch quasseln, wie er will. Es ist interessiert mich eh einen feuchten Drec...»

Menschenskind! Unterbrecht mich nicht. Für einmal rede ich jetzt! Wenn ihr schon kein Ohr für einen Gartenzwerg haben wollt, hört wenigstens euren Mitmenschen zu. Sie werden euch dafür mit Gold auszeichnen.

Glänzendes Gelingen wünscht euer Köbi


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