Erleben statt hier sein

27.5.2019


Überall und immerzu habt ihr Menschen euer Smartphone mit dabei. Überall und immerzu zückt ihr das Ding, wenn ihr etwas seht, das euch verzückt. Oder das ihr spassig findet. Oder von dem ihr annehmt, dass ihr damit andere Menschen beeindrucken könnt. Nichts und niemand ist mehr sicher davor, zum Objekt eines Schnappschusses zu werden. Feuerrote Sonnenuntergänge, aus dem Nebelmeer hochragende Berghänge, Säuglinge, kaum dass sie den ersten Atemzug getan haben, Hunde, sobald sie mit dem Schwanz wedeln. Selbst wir Gartenzwerge, die ahnungslos vor einem vielfarbigen Veilchenbeet herumstehen, müssen für euch herhalten.

 

Am steilsten findet ihr, wenn sich euch eine prächtige Kulisse darbietet und ihr ein Bild mit euch davor schiessen könnt. Das ist ein unglaublich gutes Gefühl. Ihr steht im Mittelpunkt, auf dem Zenit der Aufmerksamkeit. Das Bild trägt die Botschaft in sich: Ich bin hier gewesen, ich habe etwas erlebt, es wird mir in ewiger Erinnerung bleiben.

 

Echt jetzt, liebe Menschen. Seid ihr wirklich gewesen, wo ihr das Foto gemacht habt? Habt ihr es tatsächlich genossen oder redet ihr euch das bloss ein, wenn ihr die Bilder anschaut? Wie wollt ihr ein Andenken an das bewahren, was war, wenn ihr es nicht wirklich erlebt habt?

 

Menschenskind! Lasst doch das deppige Smartphone links liegen. Geht hinaus und saugt, was die Welt an Eindrücken zu bieten hat, mit all euren Sinnen in euch auf. Wetten, dass ihr mehr erleben werdet, als wenn ihr angestrengt auf den einenMoment wartet, um ihn ablichten zu können? Ich verspreche euch: Der Moment bleibt länger in eurem Gedächtnis haften, als wenn ihr versucht, ihn auf einem Bild einzufangen.

 

Erlebnisreiches Ausprobieren wünscht euer Köbi

 

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